{"title":"Finsterling in ungewohnter Rolle: Die Dr. Doom Collection von Cantwell & Larocca","slug":"panini-comics-dr-doom-collection-cantwell-larocca-review","url":"https://www.romanjasiek.de/panini-comics-dr-doom-collection-cantwell-larocca-review/","published_at":"2026-10-26T15:41:39.000Z","updated_at":"2026-10-26T15:41:39.000Z","excerpt":"Weiter geht es mit meinen Doom-Wochen bis zum Filmstart von Avengers: Doomsday. In diesem Comic erleben wir den Schurken in ungewohnter Rolle.","meta_description":"Ausführliche Review der Dr. Doom Collection von Cantwell & Larocca aus dem Hause Panini Comics.","html":"<p>Ungefähr 15 Jahre, bevor ein ominöser <strong>Darth Vader</strong> um die Ecke geröchelt kam, dachten sich <strong>Stan Lee</strong> und <strong>Jack Kirby</strong>, dass es vielleicht cool sein könnte, einen quasi allmächtigen Bösewicht mit Maske und Umhang auszustaffieren. Im Juli des Jahres 1962 debütierte <strong>Victor von Doom</strong>, diktatorischer Herrscher des fiktiven Ostblockstaates <strong>Latveria</strong>, in der gerade mal fünften Ausgabe von <strong>Fantastic Four</strong> (nachzulesen übrigens in der lohnenswerten <a href=\"https://www.romanjasiek.de/panini-comics-fantastic-four-anthologie-review/\" rel=\"noreferrer\"><strong>Fantastic Four Anthologie</strong></a>). Und seitdem macht er nicht nur der fantastischen Superfamilie das Leben schwer, sondern wurde im Laufe der Zeit zu einem, wenn nicht sogar dem populärsten Finsterling, der je im <strong>Haus der Ideen</strong> ersonnen wurde. Und es überrascht nicht, dass es so gekommen ist: Im sich förmlich aufdrängenden Vergleich zu <strong>Vader</strong> hat <strong>Doom</strong> mehr auf dem Kasten, als seine Gegner mit religiös angehauchtem Hokuspokus zu erwürgen. <strong>Victor von Doom</strong> verfügt über den gleichen, messerscharfen Verstand wie sein ewiger Widersacher, <strong>Mr. Fantastic Reed Richards</strong>. Vermutlich ist er diesem sogar oftmals überlegen.</p><p>Zudem kann <strong>Dr. Doom</strong> aber nicht nur Wissenschaft, sondern auch Magie. Was ihn wiederum in direkte Konkurrenz zu Figuren wie <strong>Dr. Strange</strong> oder der <strong>Scarlet Witch</strong>, <strong>Wanda Maximoff</strong>, setzt. Und im Gegensatz zu anderen Bösewichten werden bei <strong>Doom</strong> die Grenzen zwischen Gut und Böse oft aufgeweicht, sodass eine scharfe Trennung gar nicht möglich ist. So herrscht er zwar mit eiserner Hand über sein Königreich und wer nur laut den Namen <strong>Reed Richards</strong> ausspricht, sieht sich schnell einem Erschießungskommando gegenüber. Auf der anderen Seite lebt sein Volk in Wohlstand und so schmackofatze Dinge wie eine üppige Gesundheitsvorsorge sind für alle kostenlos.</p><p>Gleichwohl sollte man nicht vergessen, dass ein selbsternannter <strong>Gottkaiser Doom</strong> im <strong>Marvel-Event Secret Wars</strong> (wird im <strong>MCU</strong> und hier im Blog später noch Thema) selbst einem fiesen Möpp wie <strong>Thanos</strong> bei lebendigem Leibe das Rückgrat aus dem Brustkorb gerissen hatte! <strong>Doom</strong> ist also jemand, dem man grundsätzlich eher aus dem Wege geht. Was aber, wenn man diesen Doktor mal als Helden einer Geschichte zu porträtieren versucht? Kann das auch funktionieren? Die gegen Ende November (und damit fast schon passend zum Kinostart von <strong>Avengers: Doomsday</strong>) in den Handel kommende <strong>Doctor Doom Collection</strong> von <strong>Christopher Cantwell</strong> und <strong>Salvador Larroca</strong> liefert darauf eine Antwort.</p><p>Die bereits 2019 in den <strong>USA</strong> veröffentlichte, in sich geschlossene Sage fängt eigentlich ganz betulich an: Die Menschheit steht kurz davor, in Mondnähe ein schwarzes Loch zu erschaffen. Denn man hat es geschafft, ein Gerät zur CO₂‑Reduktion und damit zur Senkung der Erderhitzung zu bauen. Was grundsätzlich eine prima Sache ist. Allerdings hat alles im Leben ein Preisschild und so natürlich auch dieses Gerät. Denn der Abfall, der dadurch entsteht, ist unfassbar giftig und gefährlich. Und muss natürlich auch irgendwie, irgendwo, irgendwann entsorgt werden. Wie gut das mit der Entsorgung von problematischem Restabfall funktioniert, sieht man ja in der echten Welt beim Thema Atommüllendlager. Jedenfalls: Schlaue Köpfe, unter ihnen <strong>Reed Richards von den Fantastic Four</strong>, kommen auf die Idee, den ganzen Müll in einem künstlich geschaffenen schwarzen Loch zu entsorgen. Alle sind dafür. Alle, bis auf einen: <strong>Doctor Victor von Doom</strong>. Dieser äußert seine Bedenken, medienwirksam in einem Fernsehinterview gar. Für voll genommen wird er jedoch nicht. Das ändert sich jedoch schlagartig, als ein Anschlag auf die Anlage durchgeführt wird, mit dem Ergebnis, dass unser schöner, blauer Planet in weniger als einer Woche selbst von jenem schwarzen Loch verschluckt wird. Und die Raketen, die hier für Schutt und Asche sorgten, sind in <strong>Latveria</strong> gestartet. Es kann also nur <strong>Dr. Doom</strong> gewesen sein. Oder?</p><p>Mehr möchte ich über die interessante und spannend erzählte Story an dieser Stelle gar nicht verraten, da der Veröffentlichungszeitpunkt des mit 49 EUR bepreisten Hardcover-Buches zum Zeitpunkt dieser Review noch gut einen Monat entfernt ist. Ich darf Euch aber versichern, dass, wer sich zu den Fans des <strong>grünkuttigen Doktors mit der eisernen Maske</strong> zählt, mit der Geschichte und dessen Auflösung zufrieden sein dürfte. Zumal sich Autor <strong>Christopher Cantwell</strong> große Mühe gegeben hat, diesem altbekannten Wutbürger neue Facetten abzugewinnen. Es sind interessante Gedankenspiele, die <strong>Cantwell</strong> hier verfolgt. Was wäre denn, wenn es <strong>Doom</strong> tatsächlich gelänge, über seine&nbsp;– wie er ganz richtig selbst feststellt&nbsp;– oftmals nicht wiedergutzumachenden Taten nachzudenken und einen Richtungswechsel in seinem Denken und Handeln einzuleiten? Doch, das ist elegant geschrieben und geht erfreulicherweise über die oftmals zu erlebende Heldenkloppe hinaus. Zumal: Auch wenn hier Figuren wie <strong>Reed Richards</strong>, der <strong>Palladin</strong> (gerade bei der jüngst gestarteten <strong>MCU-Fernsehserie VisionQuest</strong> ein Thema) oder auch <strong>Kang der Eroberer</strong> ihr Stelldichein geben: Der Fokus liegt sehr klar und deutlich auf <strong>Doom</strong> und seinem moralischen Zwiespalt. Was angesichts der ebenfalls oftmals zu erlebenden Schwemme von Gastauftritten ebenfalls eine Wohltat ist.</p><p>Ebenfalls in der Kategorie „Nicenstein“ anzusiedeln sind die Bilder, die <strong>Salvador Larocca</strong> auf’s Papier gezaubert hat. Ich fühlte mich ein wenig an die Kunst <strong>frankobelgischer Comicalben</strong> erinnert. Was sicher nicht die schlechteste Assoziation ist. Die Posen sind recht dynamisch, die Panels sind es ebenfalls, ohne dabei allzu hektisch oder unruhig zu wirken. Zudem sind die Zeichnungen, allen voran die Gesichter, wunderbar detailliert. Zusammen mit der lebhaften Kolorierung ergeben sich Seiten, auf denen das Auge gerne auch mal einen Moment länger verweilt.</p><p>Was bleibt, ist ein unterm Strich sehr guter Eindruck dieses rund 270 Seiten umfassenden Wälzers. <strong>Dooms</strong> Agieren ist bis zum großen Finale schlüssig und es ist eine angenehme Abwechslung, <strong>Marvels</strong> vermutlich größten Schurken auch einmal in einer Art Heldenrolle zu erleben. Die der Haupthandlung anschließenden, separat davon zu lesenden Kurzgeschichten, die wie ein Bonus wirken, hätte es meines Erachtens nicht gebraucht. Kommt mir beinahe auch ein wenig so vor, als hätte <strong>Panini</strong> die mit zwischen die Buchdeckel gepackt, um den hohen Preis des Comics noch mehr zu rechtfertigen. Nötig gewesen wäre es jedoch nicht. Die Story kann für sich allein stehen und bietet genügend Inhalt, der die Figur <strong>Victor von Doom</strong> noch vielschichtiger macht, als sie ohnehin schon ist. Somit beende ich diese Review mit einer klaren <strong>Empfehlung für Dr.-Doom-Fans</strong>, die sich von 49 EUR Anschaffungskosten nicht abschrecken lassen. Es ist eine lohnenswerte Investition, keine Frage.</p><figure class=\"kg-card kg-image-card kg-card-hascaption\"><img src=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/10/drdoomcollection.jpg\" class=\"kg-image\" alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"1200\" height=\"1797\" srcset=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w600/2026/10/drdoomcollection.jpg 600w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w1000/2026/10/drdoomcollection.jpg 1000w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/10/drdoomcollection.jpg 1200w\" sizes=\"(min-width: 720px) 720px\"><figcaption><span style=\"white-space: pre-wrap;\">© Panini Comics</span></figcaption></figure>","tags":["Comics"],"authors":["Roman Jasiek"],"feature_image":"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/10/drdoomcollection-1.jpg","archived_at":"2026-10-26T16:00:20.551Z"}